Interviews

BREMBORIUM: Interview

Irina von Bentheim am 13. Mai im Modernes

“Sex and the City” oral

Irina von Bentheim ist noch ganz überwältigt vom Erfolg des “Sex and the City”-Hörbuchs auf der Leipziger Buchmesse. Sie ist die deutsche Stimme von Carrie, in der Serie verkörpert von Sarah Jessica Parker. Im Interview mit Bremborium spricht von Bentheim über ihre aktuelle Lesetour, die Kultserie und das gewisse Etwas einer Synchronsprecherin.

Frau von Bentheim, wo sind Sie geboren?

In Berlin, aber ich bin ein Viertel Bremerin. Meine Großeltern mütterlicherseits kamen beide aus Bremer alteingesessenen Kaufmannsfamilien, und insofern war ich in den Ferien ein- bis zweimal im Jahr in Bremen, allerdings in Lesum. Ich liebe Bremen und mag die Menschen dort.

Sie wohnen jetzt aber in Berlin?

Ja, so ähnlich wie Carrie Bradshaw in Manhatten lebt und an der Stadt hängt, so geht es mir mit Berlin.

Sie haben ja bereits als Kind vor der Kamera gestanden. In welchen Filmen sind Sie zu sehen?

Ich wurde von Wolfgang Liebeneiner entdeckt. Sie haben in der Zeitung ein Mädchen gesucht und eine Zeichnung gemacht, wie es aussehen soll. Da kam eine Nachbarin zu meiner Mutter und sagte: “Da ist Irina in der Zeitung!” Und so spielte ich bei “Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung” und “Wenn süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft” mit. Anschließend habe ich als Kind mit Heinz Erhardt bei “Das kann doch unseren Willi nicht erschüttern” gearbeitet. Es folgten die “Peter Alexander”-Show und diverse Familienfilme mit Uschi Glas. Mit 15 Jahren hatte ich meinen letzten Auftritt bei einem “Tatort”. Nebenher habe ich aber schon Synchronisation gemacht.

Was zeichnet einen guten Synchronsprecher aus?

Es gibt sehr markante Stimmen, die man immer wieder heraushört, und es gibt Stimmen, die wandlungsfähig sind, und dazu würde ich mich zählen. Ich drücke einer Figur nichts auf, sondern versuche, in die Figur hineinzugehen und das zu übernehmen, was ich höre und sehe. Ein Schauspieler, der synchronisiert, muß innerhalb von wenigen Momenten umschalten; nicht nur, was die Rolle angeht, sondern auch die Emotionen. In kürzester Zeit müssen wir heulen, lachen, lieben und hassen. Das muß auf Knopfdruck passieren.

Welche Personen synchronisieren Sie außerdem?

Ich synchronisiere Naomi Watts, die beispielsweise in den Filmen “Tankgirl” und “21 Gramm” mitspielt. Darüber hinaus Robin Wright, Julia Ormond, Minnie Driver, Mai Valentine aus “Yu-Gi-Oh” und einige mehr. Es ist so, daß Leute aus der Werbung noch gerne die Stimme von Carrie hätten. Dadurch, daß die Serie so bekannt ist, werde ich für andere Sachen nicht besetzt. Die Leute bringen dann nicht die Phantasie auf, daß die Stimme ja auch anders klingen kann.

Werden Sie in Alltagssituationen auf Ihre Stimme angesprochen?

Nein.

Was erwartet die Zuschauer am 13. Mai im Modernes?

Das Hörbuch “Sex and the City” basiert ja auf dem Buch von Candace Bushnell – der Klatschkolumnistin der New Yorker Wochenzeitung “Observer” -, das wiederum auf der Kolumne basiert. Zwar findet man in dem Hörbuch einige Charaktere wieder, allerdings sind sie nicht so ausgearbeitet wie in der Serie. Doch es gibt schon einen gewissen Wiedererkennungswert. Aus diesem Hörbuch habe ich mir einiges herausgenommen, was ich mit Bühnenbild, der New York Skyline als Hintergrund, und verschiedenen Situationen – Bar-, Wohnzimmer- und Arbeitszimmeratmosphäre – und ein bißchen Action auf die Bühne bringen werde. Ich bin allein auf der Bühne und spreche die vertiefenden Rollen selbst, wie auch im Hörbuch. Die Liebesgeschichte von Carrie und Mr. Big, soweit man sie so nennen kann, spielt auch eine Rolle in der Show.

Was steht für die Zukunft an?

Jetzt bin ich ja erst einmal bis Juni mit dem Programm unterwegs, aber es gibt auch schon Anfragen für den Herbst. Im September, zur nächsten Staffel, kommt der zweite Teil des Hörbuchs auf den Markt. Und nebenher synchronisiere ich die letzten Folgen von “Sex and the City” und habe drei weitere Bühnenprogramme, mit denen ich auftrete. Und ich weiß, daß Naomi Watts wieder fleißig gedreht hat.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch!