Superillu: Zu wenig Sex in der City…
Über vier Jahre mussten die Fans ohne Carrie, Charlotte, Miranda und Samantha auskommen. Doch jetzt sind die Girls aus der Kultserie “Sex and the City” zurück – und zwar auf der großen Kinoleinwand. Was “Carries” deutsche Synchronstimme über den Kultfilm sagt.
Frau von Bentheim, wie hat Ihnen denn der Film…
Entschuldigung, aber ich muss erst mal was Witziges erzählen. Ich saß beim Asiaten und hab mit der Kellnerin geredet. Irgendwann kommt sie zurück und sagt: “Ihre Stimme hört sich genau an wie die von Carrie. Das ist ja frappierend. Haben Sie das noch nicht gemerkt?” Da hab ich gesagt: “Carrie ist meine Stimme…” Die wurde nicht wieder.
Das passiert Ihnen doch oft, oder?
Nee. Eigentlich nicht. Ich bin aber auch nicht so viel unterwegs. Ich sitz ja immer hinterm Computer… Manche meinen ja, ich sitz nur mit meinen drei Freundinnen im Café. Trinke Cosmopolitan – und rede über die Männer, die ich flach lege. Aber das tue ich eigentlich nur, wenn ich bei meinem Friseur sitze. (lacht)
Aber so sehr “Carrie” klingen Sie jetzt gar nicht…
Na klar. Es ist ja auch eine Rolle. Und dafür packe ich die “Carrie”-Stimme aus. Sie hat ja eine bestimmte Art zu sprechen, einen bestimmten Duktus.
Wie hat Ihnen denn der “Sex and the City”-Film gefallen? War er so, wie Sie ihn sich vorgestellt haben?
Nein. Ich hab schon mehr Sex erwartet. Das finde ich schade. Aber es geht eben um vier reifere Frauen, für die andere Dinge eine Bedeutung haben, die Story geht tiefer, ist anrührender. Carrie ist in dem Film total präsent. Sie ist Carrie im Wunderland. Der Film steht und fällt mit ihr. Deshalb bin ich ganz stolz und glücklich, dass ich Teil davon sein konnte.
Vier Jahre ist es her, dass Sie Carrie zuletzt gesprochen haben. Wie war es, nun wieder in sie zu schlüpfen?
Super. Ich war sofort wieder drin. Ich dachte, ich müsste mir vorher noch mal ein paar alte Folgen anschauen, um wieder rein zu kommen. Aber dafür hatte ich dann gar keine Zeit mehr. Doch das war gar nicht nötig. Sie ist mir ja auch nicht fern, sondern ganz nah.
Das heißt, Carrie und Sie ähneln sich charakterlich?
Ja, sehr. Vom Temperament, vom Lebensgefühl, von der Widersprüchlichkeit. Und vom Beruf. Wir schreiben ja beide Kolumnen… Deshalb hat Carrie ja auch meine Seele bekommen, nicht nur meine Stimme.
Und was unterscheidet Sie von ihr?
Unser Männergeschmack. (lacht)
Das heißt, “Mister Big” wäre nicht Ihr Fall?
Nein. Obwohl ich den Faible für ihn verstehen kann. Er sieht super aus, aber er ist unnahbar, lässt kaum Gefühle raus, hat eine Bindungsphobie. Auf so einen fällt man leicht rein. Ich aber nicht. Ich fand Aidan, seinen Vorgänger, viel toller: Künstler, Naturbursche – und knackiger Hintern.
Haben Sie Ihren “Mister Big” schon gefunden?
Ja. (Sie lächelt versonnen) Leider ist er im Moment nicht hier. Er lebt auch nicht hier. Aber wir sind total verliebt. Seit drei Wochen wissen wir, dass wir zusammen gehören. Und es ist wunderbar. Dabei kenne ich ihn schon viele Jahre. Aber wie`s so ist: Tausendmal berührt …
Haben Sie Carrie in den vier Jahren vermisst?
Nicht Carrie im Speziellen. Ich vermisse die Filme mit Sarah Jessica Parker. Seit dem Serien-Ende hat sie nur zwei Filme gemacht. Ich würde sie auch gern mal in einer anderen Rolle als die einer Carrie-typischen sehen… Aber egal, auch davon kann gerne noch mehr kommen. Ich spreche sie gern.
Sind Sie Carrie alias Sarah Jessica Parker schon mal begegnet?
Noch nie. Obwohl sie für zwei Premieren schon mal in Berlin war. Aber diesmal will ich ihr auf jeden Fall mal Hallo sagen. Aber Warner hat was dagegen. Ich probier’s trotzdem! Ich denke, sie hätte nichts dagegen, ihre deutsche Stimme mal kennen zu lernen. (Und sie hat es tatsächlich geschafft. Auf dem roten Teppich ging sie einfach auf sie zu und begrüßte sie. S.J.Parker freute sich sehr und stellte Irina v. Bentheim gleich aufgeregt ihren drei Darsteller-Kolleginnen vor. Mission geglückt! Später bei der After-Show Party quatschten die beiden noch und machten Erinnerungsfotos.)
Waren Ihnen 2001, als Sie Carrie zum ersten Mal sprachen, bewusst, was für einen Hype diese Serie auslösen wird?
Ja, mir war ziemlich schnell klar, dass das ziemlich abgehen wird. Das wurde anfangs nur noch etwas blockiert, weil kurz vorher die Anschläge vom 11. September waren. Dadurch kam der richtige Durchbruch erst zwei, drei Jahre später. Und der Höhepunkt war eigentlich erreicht, kurz bevor die Serie endete.
Die Serie lebt ja sehr von der exzentrischen Mode. Hat das ihr Modebewusstsein verändert und regelmäßig einen Kaufrausch ausgelöst?
Nein, dafür müsste man sich die Sachen erst mal leisten können. (lacht) Aber ich hab beim Synchronisieren auch Null auf die Klamotten geachtet. Ich hab immer nur bemerkt, wenn Carrie was ganz Furchtbares trug… Das meiste würde mir sowieso nicht stehen. Und Marken sind mir dazu noch total egal. Ich hab zwar eine Gucci-Sonnenbrille. Aber die könnte auch von Flutschi sein. Ich hab Sie genommen, weil Sie mir steht. Der Film toppt modisch aber noch mal alles. Das ist ein einziges Bad in Mode. Als wäre man fünf Stunden shoppen gewesen. Nur dass die Tüten leer und die Geldbörse immer noch voll ist. Aber trotzdem ist man danach total erledigt.
Zwischen den Hauptdarstellerinnen soll’s ja während der Dreharbeiten ab und an gekracht haben. Wie verlief’s denn zwischen Ihnen und Ihren Synchronkolleginnen?
Sehr gut. Wir haben uns auch nach Ende der Serie noch zwei Jahre lang öfter getroffen.
Wie hat Carrie Ihr Leben verändert?
Ich durfte auf einmal Hörbücher lesen, durfte Bühnenshows machen und durch Deutschland, Österreich und die Schweiz touren… Plötzlich bin ich nicht mehr vor siebzig Leuten, sondern vor 700 aufgetreten. Das war toll.
Sie machen heute erotische Lesungen und Bühnenprogramme, besprechen erotische Hörbücher und haben auf Radio Paradiso die Show “Sex mit Seele”. Hat “Sex and the City” Sie zur Sexpertin gemacht?
Ja, das ist schon so. Doch Sex hatte ich schon vorher … (lacht herzhaft) Aber ich war schon immer ein Mensch, der leicht und locker über Sex reden konnte. Durch die Serie konnte ich das dann aber auch öffentlich ausleben… Und es ist ja ein wichtiges Thema. Viele meinen ja, alles über Sexualität zu wissen, aber die meisten wissen einfach gar nichts. Die sind doch viel zu verklemmt und arrogant. So nach dem Motto: “Was will die mir denn jetzt erzählen… Wir wissen doch alles.” Gar nüscht wissen die! Warum geht denn jede zweite Ehe den Bach runter? Sexualität ist das Schönste, was Mann und Frau miteinander teilen können. Die muss gehegt und gepflegt werden und darf nicht so nebenbei abgehandelt werden. Ich beschäftige mich damit jetzt seit einigen Jahren – und ich hab noch so viel loszuwerden…
“Sex in the City” spielt in Manhattan. Würde die Serie auch in Berlin funktionieren?
Wenn in einer deutschen Stadt, dann in Berlin. New York und Berlin sind sich sehr ähnlich.
Würden Sie auch mitspielen?
Klar. Warum nicht? Es gab ja sogar schon Drehbücher dafür. Nur leider hat sich kein Sender gefunden. Aber womit so eine Serie steht und fällt, ist die Art, wie über Sex geredet wird. Eben auf so intellektuelle und niveauvolle Art.
Sie waren früher ein Kinderstar? Haben u.a. mit Peter Alexander gedreht. Heute sieht man Sie gar nicht mehr vor der Kamera. Warum nicht?
Ja, ich hab das von sechs bis fünfzehn gemacht. Und hab mich da auch richtig ausgelebt. Aber irgendwann fand ich es spannender, hinter der Kamera zustehen. Da bin ich zum Fernsehen und war Kameraassistentin. Bis mich dann irgendwann das Radiofieber gepackt hat … Die Sehnsucht hatte ich dann eher wieder nach der Bühne, als nach der Kamera.
Im letzten Jahr haben Sie mit “HörbarWeiblich” einen eigenen Hörbuchverlag gegründet. Was kann man den schon von Ihnen hören?
Ich hab das erste “Bollywood”-Hörbuch herausgebracht. Das hab ich selbst gesprochen. Das ist so eine art “Sex and the City” in Indien. Und dann hab ich eine Kooperation mit dem Erotikverlag “Plaisier d’Amour – Von Frauen für Frauen”. Und da habe ich gerade die erste Erotikgeschichte “Engel der Schatten” lesen lassen. Von einem Mann. Das passte besser. Die CD hat total eingeschlagen, weil es zeigt, wie niveauvoll Erotik sein kann. Aber “HörbarWeiblich” heißt nicht, dass es nur Hörbücher von Frauen für Frauen sind. Sondern nur, dass es Literatur mit weiblicher Note ist. Im Herbst kommt dann mein drittes Hörbuch raus. Mit meinen eigenen Kolumnen, “Beziehungskisten”, die ich immer bei Radio Paradiso lese. Da geht es um ganz unterschiedliche Themen: Gehen auf Stöckelschuhen, Sex im Parkhaus, Tantra-Massage und die Intimfrisur…
Interview: Susanne Groth











