Interview

[030] Berlin “Irina von Bentheim”

Bekannt wurde Irina von Bentheim vor allem ihrer unverwechselbaren und wundervollen Stimme wegen: Sie synchronisiert die US-Schauspielerin Sarah-Jessica Parker in der deutschen Ausgabe der Serie „Sex and the City”. Mit dem Ende der Serie im Fernsehen, folgten SATC-Hörbücher, Lesungen und Partyauftritte. Dazu gesellte sich im Februar 2005 ihre wöchentliche Sendung auf radio eins, deren Titel „Sex nach Neun” ebenfalls nicht von ungefähr zu kommen scheint. Ab dem 27. Februar steht von Bentheim nun jeden letzten Montag im Monat auf der Bühne des BKA. In ihr sexy Erfolgsschema fügt sich auch der Titel dieser Show nahtlos ein: „Sex nach 8”. Im Rahmen der Verleihung des Deutschen Preis für Synchron 2006, hatte [030] die Gelegenheit einige Fragen an IvB (wie sie sich selbst gerne abkürzt) zu stellen.

Sehen Sie die plötzliche Bekanntheit Ihrer Stimme eher als Segen oder als Fluch?

Spontan frage ich mich: Was könnte ein Fluch daran sein, wenn viele Menschen meine Stimme mögen? Das ist doch toll und daran habe ich viele Jahre gearbeitet. Ein Fluch ist, wenn diese Stimme nur noch in eine Schublade gesteckt wird. Aber dagegen arbeite ich ebenfalls, indem ich viele unterschiedliche Sachen mit ihr mache.

Wie kommt es eigentlich, dass Synchronsprecher oft den zu synchronisierenden Schauspielern doch ein bisschen ähnlich sehen, oder ist das nur Zufall?

Wollen Sie damit etwa sagen, dass ich Sarah Jessica Parker ähnlich sehe? Manchmal gibt es tatsächlich Ähnlichkeiten, meistens allerdings auch rein gar keine.

Wie passiert es, dass man Stammsprecherin einer Hollywood-Schauspielerin wie Naomi Watts wird?

Naomi Watts habe ich schon in ihren Anfängen in „Tank Girl” gesprochen. Das wird im Computer festgehalten, irgendwann taucht sie wieder auf und du wirst wieder besetzt. Bei Naomi Watts hat sich das sehr schön entwickelt. Eine großartige Schauspielerin.

Warum haben Sie Naomi Watts nicht in „King Kong” erneut synchronisiert, so wie in ihren Filmen davor?

In ihren Filmen danach spreche ich sie glücklicherweise wieder. Für „King Kong” hat Peter Jackson persönlich die Sprecherauswahl getroffen. Den interessierte nicht, dass es da eine Stimme gibt, an die sich die Ohren der Zuschauer gewöhnt haben. Das passiert bedauerlicherweise fast jedem Synchronschauspieler einmal. Keiner hat in diesem Metier ein Abonnement auf jemanden.

Wenn Sie ins Kino gehen, wie ist das dann für Sie? Achten Sie auf die Synchronisationen der Kollegen?

Klar und oft bin ich sehr stolz auf meine Kollegen, besonders wenn ich nicht eine Sekunde darüber nachgedacht habe, wer wen gesprochen hat.

Kennen sich die Synchronsprecher untereinander, so wie die Schauspieler auch?

Hier in Berlin sind wir etwa 350 Synchronschauspieler. Im Laufe der Jahre kennt man sich untereinander und es haben sich viele schöne Freundschaften entwickelt. Allerdings stehen wir auch oft ganz allein vor dem Mikrofon, weil aus technischen oder organisatorischen Gründen jede Rolle einzeln aufgenommen wird.

Wo wären Sie heute, wenn „Sex and the City” nicht so eine Kultserie geworden wäre?

Diese „Was-Wäre-Wenn” -Fragen sind immer schwer zu beantworten. Auch schon vor SatC habe ich Lesungen gemacht, TV-Dokumentationen gesprochen und beim Radio gearbeitet. Nur die Hörbücher sind eigentlich neu hinzu gekommen.

Was ist Ihrer Meinung nach das Typische an Ihrem Erotikmagazin „Sex nach neun” auf radio eins?

Der Facettenreichtum, die Freiheit und Menschlichkeit. Die Sendung ist ein Spiegel echter weiblicher Neugier. Ich freue mich, diese Lebenslust mit so vielen Hörern teilen zu können.

Was erwartet den Besucher in Ihrer neuen Show „Sex nach 8” im BKA?

Sinnvolle Unterhaltung, mit gelesenen Geschichten, Synchronvorführungen, interessanten Talkgästen auf der Bühne und umwerfend erotischer Akkordeonmusik von Cathrin Pfeifer. Auch die Zuschauer sind ein wichtiges Element. Sie werden auf angenehme Art ein Teil der Show, die jedes Mal neue Überraschungen verspricht.

In letzter Zeit treten immer mehr Synchronsprecher aus der Kabine ins Rampenlicht. Es gibt sogar einen deutschen Preis für Synchron, der seit dem Jahr 2000 verliehen wird. Was sagen Sie zu dieser Entwicklung und warum ist das Ihrer Meinung nach so?
Ich wünsche mir sehr eine höhere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Auch um endlich klar zu stellen, dass wir keine Kanalratten sind, die einmal im Jahr das Tageslicht sehen dürfen. Viele Kollegen kommen vom Theater und treten auch regelmäßig im Fernsehen auf. Ohne Schauspielausbildung können nur die wenigsten diesen Beruf ausüben.

Sex nach 8 ­ Erotisches Entertainment mit Irina von Bentheim und Cathrin Pfeifer

Premiere: 27.02.2006, 20 Uhr

Weitere Vorstellungen:
27.03. und 24.04. jeweils um 20 Uhr

[030] Berlin vom 31.01.2006