Interview

Happy-End-Bücher

Sexualität ist ja bekanntlich ein recht heikles Thema. Nicht jeder kann offen damit umgehen! Ich bewundere sie für ihren entspannten Umgang mit erotischen Geschichten, im besonderen als Vorleserin auf öffentlichen Veranstaltungen. Wie sehen Sie den Umgang mit Sexualität / Erotik im Männer-Frauen-Vergleich? Sind wir Frauen da wirklich verklemmter?

Keineswegs. Ich glaube, dass Frauen eher noch offener sind als Männer, nur auf einer anderen Ebene. Jede Frau kennt das, untereinander reden wir sehr detailliert über alles. Beim Partner fehlen uns dann manchmal die Worte. Aber nicht aus Verklemmtheit sondern aus der Angst heraus, dass wir damit irgendwas kaputt machen könnten. Dagegen arbeite ich an und dafür, eine gemeinsame sexuelle Sprache zu finden, die leicht locker und beschwingt unser Liebesleben bereichert.

Wir TV Zuschauer registrieren die Synchronsprecher und ihre Arbeit im Grunde eher selten. Wie lebt es sich als Synchronsprecher im Halbschatten von Sarah Jessica Parker & Co.?

Oh, sehr gut. Ich bin stolz und glücklich diese Arbeit gemacht zu haben und die Popularität meiner Stimme ehrt mich sehr. Schließlich verstehe ich diese als Spiegel meiner Seele.

‚Carrie’ (Sex and the City) ist ja eine sehr bekannte Stimme. Werden Sie oft als “die” Stimme erkannt und darauf angesprochen?

Gerade neulich, vor der Premiere von SatC in Berlin, als ich noch was ass, sprach mich die Kellnerin an: “Also ihre Stimme klingt genau wie die der Carrie aus SatC, da müssen sie wirklich mal drauf achten.”

Kommt es manchmal vor, dass man die Synchronrolle, auch mal mit ins Privatleben nimmt? Gerade bei einem Charakter wie ‚Carrie’, den man über einen längeren Zeitraum spricht – ist es da schon einmal vorgekommen, dass Sie diese Rolle nur schwer abstellen konnten?

Da ich sehr viele Parallelen mit Carrie habe, ist es schwer das zu beantworten, aber ich fühle mich immer wie Irina, die eine Rolle gesprochen hat, die ihr sehr nah ist.

Haben Sie schon mal eine Rolle sprechen müssen, die Ihnen persönlich überhaupt nicht zugesagt hat? Wie geht man damit um, wenn man sich überhaupt nicht in eine Rolle hineinversetzten kann?

Es gehört zum Job, alles zu sprechen und es macht Spaß von der Comic-Figur über die Prostituierte bis hin zur Staatsanwältin alles zu sprechen. Richtig schwer fiel mir irgendwann die Rolle in YuGhiOh, da ich das einfach unsäglich brutal fand. Ich habe damit dann aufgehört.

Sie haben bereits früh Erfahrungen auch VOR der Kamera sammeln können. Ist es einfacher eine Rolle zu spielen, als eine Rolle zu sprechen?

Auch am Mikrofon müssen sie die Rolle spielen und ganz schnell in ein Gefühl kommen, was sie auf der Bühne oder vor der Kamera langsam entwickeln können. Manche Schauspieler können das vorm Mikrofon gar nicht und manche Synchronschauspieler scheuen sich vor der Kamera. Ich liebe beides.

Die Arbeit als Synchronsprecherin ist nur ein kleiner Teil ihres großen Engagements. Ganz besonders spannend finde ich ihr Projekt “Sex nach Acht”, das auch auf ihrer Homepage vorgestellt wird. Erzählen sie uns bitte etwas darüber?

Das ist Showkonzept, das alles vereint, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe, Schauspiel, Talk, Lesung, Synchronisation, Tanz (das Singen überlasse ich lieber anderen), ein multimediales Ereignis, dass immer einen Themenschwerpunkt hat: Vaginadialoge, Intimfrisur, Fußballerotik, etc.

Besonders interessiert, mich als Hörbuch Fan, natürlich die “Hörbar Weiblich” Reihe, die sie herausbringen. Bisher her sind die Hörbücher “Glitzernacht – Bollywood Nights” und Astrid Martinis “Engel der Schatten” erschienen. Können sie uns ein wenig mehr über kommende und geplante Hörbucher verraten?

Im Sommer produziere ich ein Hörbuch mit meinen eigenen Kolumnen “Beziehungskisten”. Die laufen hier in Berlin wöchentlich in meiner Radiosendung “Sex mit Seele” auf Radio Paradiso. Das werden 12 Kolumnen, für jeden Monat eine, die sich um die unterschiedlichsten Themen drehen, wie Tantra – Massage, Parkhaussex oder wenn die beste Freundin sich einen Hund oder Mann zulegt.

Welches Buch wäre für Sie ein persönlicher Wunsch für ein Hörbuch? Wer ist dafür Ihr “Traumsprecher /in ” und warum?

Ich hätte gern “Vom Winde verweht gelesen” aber nur die Rhett/Scarlett- Dialoge.

Ein Hörbuch steht und fällt mir dem oder der Sprecher/in. Kann man sich ein ‚Casting’ für ein Hörbuch in etwas genauso vorstellen, wie ein Casting für einen Film?

Für Hörbücher werden beliebte oder bekannte oder Stimmen bekannter Leute ausgewählt, da gibt’s kein Casting.

Nach welchen Kriterien sucht man eine Stimme für ein bestimmtes Hörbuch aus?

Inzwischen geht es dabei glücklicherweise nicht immer um die Popularität des Vorlesenden, sondern wirklich um die Stimme und die Wahl hängt mit der story zusammen.

Für das Hörbuch “Engel der Schatten” haben sie als Sprecher einen Mann gewählt. Im ersten Moment stocke man ein wenig, da wir Liebesromanleserinnen daran gewöhnt sind, dass wir ‚unsere’ Geschichten von einer Autorin präsentiert bekommen, von Frauen für Frauen sozusagen und so scheint ein Mann zunächst fehl am Platz? Beim Hören wird aber ganz schnell klar, dass sie einen hervorragenden Sprecher für das Hörbuch ausgewählt haben.

Danke, das finde ich auch. Jaron Löwenberg ist nicht nur eine tolle Stimme, er ist auch ein toller Schauspieler und Mann!

Ich stelle mir vor, dass Hörbucher, ähnlich wie Bücher einer eigenen Dynamik unterliegen, da man Bilder durch Worte ersetzten muss. Aber immerhin hat man bei Hörbüchern die Möglichkeit die Stimme als zusätzliches Instrument einzusetzen. Wie aber stellt sich nun der Sprecher darauf ein eine Rolle zu vermitteln, die er nicht darstellen kann?

Indem er oder sie sie sich vorstellt. Ich gebe den Stimmen immer Farben und damit verbinde ich dann ein Grundgefühl, dass sich stimmlich am Ende so anhören kann, als hätte ich einen Buckel und eine Warze auf der Nase.

Meine letzte Frage dreht sich um ihr Lieblingsbuch. Welches Buch hat ihnen in der letzten Zeit besonders gefallen?

Zusammen ist man weniger allein, Anna Gavalda